Nostalgie

Nostalgie

Herren, die dabei waren, als die Fußball-Abteilung nach dem Krieg neu gegründet wurde.

Sie beschrieben Umstände und Begebenheiten einer Zeit, die sich die Jüngeren unter uns kaum noch vorstellen können.

Im März 1946, der Stunde Null, wurde der Sportverein in der Gaststätte Siebecker wieder ins Leben gerufen. Bereits am 8. April 1946 hatte man die Leere Vereinskasse durch eine Spendenaktion in der Steinbacher Bevölkerung mit 430,35 Reichsmark füllen können. Doch finanzielle Mittel allein reichten für den Neuaufbau nicht aus: bei der Renovierung der Turnhalle mussten neue Fensterscheiben erstanden werden. Aus diesem Grund Verfuggerte ein Steinbacher Vereinsmitglied in Kaiserslautern einige Hasen. Auch die Spielausrüstung konnten einige Fußballer nur durch den Eintausch von Naturalien besorgen. Überhaupt durfte man in der damaligen Zeit nicht anspruchsvoll sein: gewöhnliche Straßenschuhe, auf die man Riemen nagelte, dienten als Schussstiefel. Ein Spieler hatte sich jedoch bei der Wahl seines Schuhwerkes übernommen: er trat beim ersten Spiel in Münchweiler mit Gebirgsjägerschuhen an und blieb gegen Ende der Partie von Wadenkrämpfen geschüttelt auf der Strecke. Vielleicht hat es daran gelegen, dass man das Spiel mit 2:12 verlor.

Der erste inoffizielle Sportplatz (Renkwiese) war noch relativ schnell gefunden, etwas schwieriger gestaltete sich aber die Beschaffung eines Balles. Glücklicherweise fand sich ein Spender, doch die Freude währte nicht lange. Es handelte sich um einen geschnürten Lederball, dem ein ums andere mal die Luft ausging. Dies hatte zur Folge, dass der Ball genauso viele Stunden beim Schuhmacher wie auf dem Fußballplatz verbrachte. Das runde Leder hatte noch andere Tücken: ein Kopfball mit der eisenharten Kugel war annähernd so gefährlich wie ein Kopfsprung ins leere Schwimmbadbecken. Do war'sche acht Daa weg, bestätigte einer der Beteiligten.

Als die Pflichtspielrunde eingeführt wurde, stellte sich die Frage nach Trikots. Man machte aus der Not eine Tugend und fertigte aus alten Hitlerfahnen die Spielkleidung (Zitat: Es Haakekreiz hott mer halt no inne genäht). Rückennummern hatten die Hemden allerdings nicht. So konnte man durch die Angabe eines falschen Namens eine Hinausstellung umgehen, wenn man zuvor schon verwarnt war. Die Hosen stellte man aus alten Mehlsäcken her. Der erste Sportplatz war auf dem Gelände der heutigen Kläranlage. Vor den sonntäglichen Begegnungen markierte man die Spielfläche mit Sägemehl. Die Tore hatten keine Netze und so mancher Treffer wurde anerkannt, obwohl der Ball das Gehäuse verfehlte.

Der Zuschauer zuspruch war damals gewaltig, der Fußball brachte Ablenkung vom entbehrungsreichen Alltag. Auch zu den Auswärtsspielen reisten viele Zuschauer per pedes oder mit dem Fahrrad mit. Nach den Spielen wuschen sich die Akteure mit eiskaltem Wasser, aus am Spielfeldrand aufgestellten Schüsseln. Unter diesen Umständen zog es allerdings mancher vor, ungewaschen nach Hause zu gehen - oder in die Gaststätte Bauer. Dort wanderte der Hut durch die Reihen und man sorgte dafür, dass keiner der müden Kämpfer durstig nach Hause gehen musste. Besonders feierte man nach dem großen Pokaltriumph im Jahre 1948. In Stetten gewann man ein Einladungsturnier und durfte als Trophäe einen handgedrechselten Holzpokal mit nach Hause nehmen, der heute noch im Sportheim zu bewundern ist. Er kostete den Stifter damals zwei Zentner Mehl und stellt eine echte Rarität dar.

Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote: mitten auf dem ersten Sportplatz stand ein Strommast. Man munkelt, dass ein allzu ballverliebter Spieler einmal eine unangenehme Bekanntschaft mit demselben gemacht habe. Er soll heute noch eine führende Position im TuS 07 Steinbach einnehmen.
Bei der Lektüre der Aufzeichnungen sind wir auf einige interessante und kuriose Begebenheiten gestoßen, die wir nicht unerwähnt lassen wollen. Wir bitten um Verständnis, dass wir aus nahe liegenden Gründen auf Namensnennungen verzichtet haben.

Fußball und Alkohol

14.05.1972 (Niederhausen-TuS 07 0:1): Bei Steinbach lief es im ersten Spiel nicht wie gewohnt. Vielen Spielern machte noch der Vereinsball vom Vorabend zu schaffen.

22.10.1972 (TuS 07-Hochstätten 1:4): So schlecht wie das Wetter waren auch die meisten Steinbacher Spieler. Von den Strapazen der Tanzmusik in der Turnhalle am Vorabend hatten sich viele noch nicht erholt.

09.02.1975 (TuS 07-Otterbach 1:2): Der Spieler X brachte den Beweis, dass es leichter ist, abends 12 Schnäpse zu trinken, als Sonntags eine gute Leistung auf dem Spielfeld zu bringen.

02.10.1977 (TuS 07-Stetten 2:3): Vielen Spielern machten die Nachwehen von der Jakobsweiler Kerwe mehr zu schaffen als der Gegner.

Aufstellungsprobleme

14.09.1974 (TuS 07-Albisheim 3:5): Steinbach ging in das Spiel gehandicapt. X ging ins Manöver, Y hat sich in der Woche die Zehe gebrochen und YY ist am Sonntagmorgen von der Leiter gefallen.

27.03.1983 (Orbis-TuS 07 4:2): Interesselosigkeit herrscht zur Zeit in Steinbach bei Vorstandschaft und Spielern, anders ist es nicht zu erklären, dass man ohne Pässe wegfuhr und nur 10 Spieler zur Stelle hatte. X, der sich gegen Lohnsfeld das Bein brach, musste notgedrungen die Pässe nachfahren und mitspielen.

18.02.1990 (Dannenfels-TuS 07 3:4): Sogar Torhüter X war am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen worden und stand wieder zwischen den Pfosten. Allerdings noch nicht in Bestform. Beim zweiten Tor der Gastgeber zeigte er bei einem Schuß von der Mittellinie keine Reaktion.

Disziplinlosigkeit

29.04.1973 (Mannweiler- TuS 07 1:7): Steinbach konnte trotz dem klaren Sieg nicht begeistern. Jeder war aufs Torschießen bedacht. Meistens griff man mit 9 Spielern an und vernachlässigte dabei die Abwehr und das Aufbauspiel. Selbst der Torhüter X war oft in der Mannweiler Hälfte zu finden und wollte sich am Toreschießen beteiligen.  So war es dann auch zu verstehen, dass Trainer Schindler nach dem Spiel bekannt gab, seine Tätigkeit in Steinbach abzubrechen.

09.08.1978 (TuS 07-Lohnsfeld 10:1): Beim Stand von 10:0 spielte Torhüter X Radi, als er mit dem Ball nach vorne stürmte, mehrer Gegner umspielte, dann jedoch hängen blieb. Dies brachte Y und YY so in Verärgerung und Aufregung, dass sie deswegen den Platz verließen.
Daraufhin leistete sich der Spieler XX die größte Unsportlichkeit, als er mit Absicht den Ball ins eigene Tor schoss. Schiedsrichter Mayer schickte ihn darauf zurecht mit einer Zeitstrafe vom Platz.

Verschiedenes

07.10.1973 (TuS 7-Alsenz 2:1):
Alsenz hatte sich für dieses Spiel viel vorgenommen, denn sie kamen schon am Vormittag angereist und aßen in der Gastwirtschaft Herrbruck zu Mittag.

18.11.1973 (Sembach -TuS 07 2:10):
Etwas unverständlich und überheblich ist die Haltung einiger Steinbacher Zuschauer, die, als der klare Sieg feststand, mit einem Spruchband um den Platz marschierten: Wir haben keine Gegner mehr, jetzt muss Bayern München her.

07.03.1976 (TuS 07-Marnheim 1:4):
Die Mannschaft des TuS-Steinbach spielte wie eine untrainierte Mannschaft im Hochsommer ohne Einsatz und Siegeswillen.

03.02.1982 (TuS 07-Rockenhausen 5:6):
Kurz entschlossen einigte man sich auf Steinbach als Austragungsort. Leider war das Sportheim nicht geöffnet.

15.02.1987 (TuS- Rüssingen 4:1): Rüssingen konnte nicht einen zahlenden Zuschauer aufweisen.

08.12.1990 (TuS 07-Biedesheim 1:5): Weil X seinen Jagdabschluss am 9. Dezember in der Sporthalle abhalten wollte, wurde das Spiel auf Samstag vorverlegt. Mangels Wildbestand wurde das Jagdtreiben abgesagt.

26.03.1995 (Dannenfels II-TuS 07 II): Der Spieler X, der eigentlich von Beginn an spielen sollte, kam mit halbstündiger Verspätung. Ursache: Er wusste nicht, dass die Uhr auf Sommerzeit umgestellt werden musste.

Und dann war da noch das Auswärtsspiel in den siebziger Jahren in Münchweiler, wo es hieß: Der Spieler X hatte seine Schuhe vergessen, der Spieler Y hatte zwei Linke dabei!

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